Mondschein. Nacht in Saint-Cloud
1895
Aus der Mappe »Edvard Munch. Acht Radierungen«, 1895
Kaltnadel, Polierstahl, auf geripptem Japan
310 x 254 mm / 475 x 334 mm
Gedruckt von Ludwig Angerer, Berlin
Inv. Nr. SG 298
Erworben 1912 von Ernst Arnold, Dresden
Literatur: Sch. 13 II/III b; Woll 17 III/III b
© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Helles Mondlicht fällt in
ein nächtliches Interieur
. Silhouettenhaft zeichnet sich in
der Tiefe des Raumes die einsam am Fenster sitzende Gestalt eines Zylinder
tragenden Mannes ab, der in scheinbar melancholischer Stimmung hinaus schaut.
Ende 1889, während seines ersten längeren Parisaufenthaltes war Munchs Vater in Norwegen verstorben. Der Künstler zog sich in den Vorort St. Cloud zurück, wo er gemeinsam mit dem befreundeten dänischen Lyriker Emanuel Goldstein (1860–1921) lebte. Dort malt er 1890 erstmals das Motiv der »Nacht in St. Cloud«. Deutlicher als in der Druckgraphik ist im Gemälde der Ausblick auf die Seine betont, während das Licht mit unruhigem Pinselduktus in bläulichen Tönen umgesetzt ist.
In der seitenverkehrten Kaltnadelarbeit, die 1895 in Berlin entsteht, treten an die Stelle des Kolorits dichte, fließende Schraffuren, während mit dem Polierstahl hellste Lichter aus der Kupferplatte herausgearbeitet wurden.