Zwei Menschen. Die Einsamen
1894
Aus der Mappe »Edvard Munch. Acht Radierungen«, 1895
Kaltnadel, Roulette, auf geripptem Japan
154 x 215 mm / 340 x 472 mm
Gedruckt von Ludwig Angerer, Berlin
Inv. Nr. SG 296
Erworben 1912 von Ernst Arnold, Dresden
Literatur: Sch. 20 V/V b; Woll 13 VI/VI b
© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VG Bild-Kunst, Bonn 2012
Mit seiner Kaltnadelarbeit nimmt Munch in Seitenverkehrung die Komposition eines Gemäldes von 1892 auf, das 1901 bei einem Schiffsunglück verloren ging.
In Rückenansicht und voneinander getrennt stehen eine Frau und ein Mann am felsigen Ufer und blicken auf die Weite des Meeres.
Die deutliche Distanz der Figuren, die Kontraste von hellster und dunkelster Zone in Kleid und Anzug, der Gegensatz von ruhiger Wasseroberfläche und instabil wirkender Felsformation bilden eine ebenso harmonisch ausgewogene wie beunruhigende Atmosphäre. Während die Frau in ihrer aufrechten Haltung zu verharren scheint, deutet die Schrittstellung der männlichen Figur auf eine Annäherung hin und belässt dieses Paar in einer aufgebauten Spannung zwischen Nähe und Einsamkeit.
Auch dieses Motiv wird Munch wiederholt aufgreifen und, wie in seinem
Farbholzschnitt von 1899
,
mit Mitteln des jeweils gewählten Mediums umsetzen.