Edvard Munch

Der Tag danach

1894

Aus der Mappe »Edvard Munch. Acht Radierungen«, 1895

Kaltnadel, Aquatinta, auf geripptem Japan
195 x 280 mm / 340 x 477 mm
Gedruckt von Ludwig Angerer, Berlin

Inv. Nr. SG 294
Erworben 1912 von Ernst Arnold, Dresden

Literatur: Sch. 15 IV/IV b; Woll 10 VI/VI b
© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Unter dem argloseren Titel »Morgenstimmung« erscheint die Kaltnadelarbeit in der von Julius Meier-Graefe 1895 publizierten Mappe.

Das Motiv der erschöpft und leger auf einem Bett liegenden, bekleideten jungen Frau zitiert in Seitenverkehrung eine verlorene, 1885/86 erstmals ausgeführte, und eine 1894 wiederholte Gemäldefassung. Noch nachdem dieser »Tag danach« 1909 durch Jan Thiis für die Nasjonalgalleriet Oslo erworben war, rief er beim Publikum tiefe Entrüstung hervor.

Munchs selbstverständliche Schilderung eines offensichtlich auf ein ausschweifendes Nachtleben zurückzuführenden, ungehemmten Zustandes wurde als schwerer Angriff gegen Sitte und Anstand empfunden.

Der Künstler übersetzte die Farbigkeit in lineare Schraffuren und Flächenätzungen und unterstrich mit seiner druckgraphischen Umsetzung die Aussagekraft einer einfach wirkenden Bildschöpfung, die der Phantasie des Betrachters großen Spielraum bietet.

Städel Museum