Edvard Munch

Der Kuss

1895

Radierung, Aquatinta, Kaltnadel, Polierstahl, auf Kupfertiefdruckvelin
329 x 263 mm / 565 x 402 mm
Gedruckt von O. Felsing, Berlin

Inv. Nr. 66167
Vermächtnis Dr. Carl Hagemann 1948

Literatur: Sch. 22 b; Woll 23 b
© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VG Bild-Kunst, Bonn 2011

Monumental und in Nahsicht stellt Munch die Umarmung eines nackten Paares ins Bildzentrum seiner Radierung.

Die dunklen, flächig geätzten Stores geben den Figuren Ruhe und Stabilität und stellen sie dabei gleichzeitig provozierend zur Schau. Es wird angenommen, daß Munch von Auguste Rodins Skulptur »Der Kuss« (1886) zu seiner Radierung inspiriert wurde.

Das Thema hatte ihn bereits seit Beginn der 1890er Jahren beschäftigt, doch erfährt das Motiv in der Druckgraphik durch die zusätzliche Nacktheit des Paares eine wesentliche Veränderung im Ausdruck seiner physischen Präsenz.

Die Konzentration auf den innigen Kuss eines gesichtslosen Paares ist hier zurückgenommen und richtet sich stärker auf sexuelle Begierde und körperliche Leidenschaft.

1896–97 in Paris wird Munch nach seiner Radierung ein Gemälde ausführen.

Städel Museum