Edvard Munch

Kristiania-Boheme I

1895

Aus der Mappe »Edvard Munch. Acht Radierungen«, 1895

Radierung, Kaltnadel, auf geripptem Japan
208 x 288 mm / 335 x 475 mm
Gedruckt von Ludwig Angerer, Berlin

Inv. Nr. SG 299
Erworben 1912 von Ernst Arnold, Dresden

Literatur: Sch. 10 II/II b; Woll 15 II/II b
© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VG Bild-Kunst, Bonn 2012

In der norwegischen Hauptstadt, im Kreis der sogenannten Kristiania-Boheme, versammelten sich Künstler, Literaten und Studenten um den anarchistischen Schriftsteller Hans Jaeger (1854–1910).

Ihre Maximen stellten Religion, Familie sowie bürgerliche Moralvorstellungen in Frage und setzten sich für die Gleichberechtigung der Frau in der Gesellschaft ein. Munch wurde 1884 durch seinen Mentor, den Maler Christian Krogh (1852–1925) in die Gruppe eingeführt.

Später, im Berlin der 1890er Jahre, wo Munch in einem von Skandinaviern wie August Strindberg geprägten, intellektuellen Zirkel verkehrt und 1894 zu radieren beginnt, erinnert er mit mehreren Druckgraphiken an die von Gesprächen, Alkohol, Träumerei und Liebschaften gezeichnete Stimmung früherer Jahre .

Durch wechselnde Schraffuren gelingt ihm die atmosphärische Beschreibung des halbdunklen Raumes mit einem seitlichen Lichteinfall, der – in technisch anspruchsvoller Umsetzung - zu Reflexionen auf Glas und Tischplatte führt.

Städel Museum