Edvard Munch

Henrik Ibsen im Café des Grand Hotel

1902

Lithographie mit Kreide (Umdruck), Schabeisen, auf Transparentpapier
434 x 596 mm / 547 x 730 mm
Gedruckt von M. W. Lassally, Berlin

Inv. Nr. 66779
Erworben 1959 von Klipstein & Kornfeld, Bern
Eigentum Städelscher Museums-Verein e. V.

Literatur: Sch. 171; Woll 200
© The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VG Bild-Kunst, Bonn 2012

Seit seiner Jugendzeit ist Munch ein begeisterter Leser der Werke seines Landsmannes Hendrik Ibsen (1828–1906). Persönlich begegnet er ihm erstmals in den frühen 1890er Jahren.

Wie in einer gemalten Komposition Munchs von 1898 zeigt die Lithographie Ibsen in seinem Stammlokal, dem Café des Grand Hotel in Kristiania.

Er beschreibt ihn energisch, mit charakteristischer Haartracht, Backenbart und visionärem Blick. Vor dem dunklen Grund eines Vorhangs wirkt das Haupt des Dramatikers einerseits isoliert und hell wie eine geisterhafte Erscheinung.

Andererseits erzielt der Künstlers mit einer dichten Kreidezeichnung aus weichen, feinen Linien, die er auf dem Stein mit dem Schabeisen überarbeitet, eine extrem plastische, präsente Wirkung.

So schildert er den Dargestellten in einer eigenen Welt, während der Blick aus dem Fenster auf das verregnete Alltagstreiben der Straße freigegeben ist.

Städel Museum