Odilon Redon
Bordeaux 1840–1916 Paris
Yeux clos / Geschlossene Augen, 1890
Lithographie mit Kreide, auf aufgewalztem China
Gedruckt von Becquet, Paris
Inv. Nr. SG 4162
Erworben 1977
© Städel Museum, Frankfurt am Main
Wie eine Erscheinung wirkt die monumentale androgyne Gestalt, die am Horizont einer weiten, öden Ebene aufragt.
Odilon Redon wählte die Lithographie, als er es 1890 unternahm, dieses Motiv seines Gemäldes »Yeux clos« in ein druckgraphisches Medium zu übersetzen. Mit den weichen, eng gesetzten Linien der Kreidelithographie, deren Ausdrucksqualitäten denen einer Kreidezeichnung nahekommen, gelingt es dem Künstler Licht und Schatten zu modellieren und einer »Büste« eine immaterielle Wirkung zu verleihen. Der nach innen gerichtete Blick, der sich von der sichtbaren Welt gleichsam zu distanzieren scheint, unterstreicht die traumhafte Szene.
Es ist eine Gratwanderung zwischen Erfahrbarem und Unwirklichem, wie sie auch in
Bildschöpfungen
Edvard Munchs
anzutreffen ist.